Zur Saison 09/10 fand eine Änderung im Pokal-Wettbewerb des Deutschen Basketball Bundes statt. Der neue Pokal schließt unterklassige Mannschaften aus und konzentriert sich stattdessen auf die besten sechs Teams der Hinrunde. Der Ausrichter des Top4 wird durch die Ligaführung vor der Saison bestimmt und ist automatisch als Teilnehmer gesetzt. Neben dem einzureichenden Konzept ist vor allem eine Summe Geld ausschlaggebend, die der Ausrichter der Liga bereit ist zu zahlen. Die restlichen drei Startplätze des Top Fours werden in drei „Viertelfinals“ ermittelt.

Seit der Reform des Pokalmodus steht dieser öffentlich in der Kritik. Desöfteren haben wir und andere aktive Fangruppierungen auf die Problematik aufmerksam gemacht.

Unsere Kritikpunkte sind weiterhin:

Erfolg darf nicht käuflich sein!
– der Umstand, dass man sich ins Halbfinale einkaufen kann, verschafft einen enormen Vorteil und ist somit eine Wettbewerbsverzerrung.

Faire Pokalchancen für jeden Verein!
– Der Ausschluss von elf Bundesligisten führt dazu, dass der Pokal kein klassischer Pokal mehr ist. Es fehlt die Möglichkeit, dass auch kleinere Vereine eine Rolle spielen.

In vielen offenen Gesprächen wurde der Liga bereits kommuniziert, dass viele Fans massive Probleme mit dem Pokalmodus haben. Es gibt sicher viele überzeugende Argumente auch gegen den davor praktizierten Modus, in dem sich viele gestandene Erstligisten durch schlecht besuchte Spiele in Wolfenbüttel, Wedel und Wulfen, also Peripherie-Gebieten des Deutschen Profibasketballs, kämpfen mussten. Diesen Modus zu kritisieren ist eines. Deshalb den Pokalwettbewerb bis auf eine Mini-Qualifikationsrunde und ein Top4 komplett einzustampfen, jedoch etwas ganz anderes. Der jetzige Modus verfolgt lediglich das Ziel, mit möglichst wenig Aufwand ein Event stattfinden zu lassen, welches der Liga möglichst hohe Einnahmen und möglichst hohe mediale Reichweiten sichert.

Der sportliche Wert dieses Pokals bleibt dabei auf der Strecke. Erfolgreiche und sich großer Beliebtheit erfreuende Pokalturniere werden aber auch in anderen europäischen Ligen ausgespielt. Dort hält sich das Pendel zwischen einem sportlich attraktiven Titel und einem medialen Hochglanzprodukt die Waage und schlägt nicht so deutlich in Richtung des kommerziellen Interesses aus wie im Fall des BBL-„Pokals“.

Für den spanischen „Copa del Rey de Baloncesto“ qualifizieren sich die besten acht Mannschaften der Hinrunde und spielen ihn als ein viertägiges Playoff-Turnier an einem vor Saisonbeginn festgelegten, jährlich wechselnden Austragungsort aus. Eine echte Wintermeisterschaft im Februar mit stets ausverkaufter Halle, vielen stimmungsvollen Fans und großem landesweiten Prestige.

Nach dem gleichen Modus und in der gleichen Woche wird in Italien der „Coppa Italia di Pallacanestro“ als FinalEight-Turnier ausgetragen.

In Griechenland qualifizieren sich die Top6 der vergangenen Saison automatisch für das Viertelfinale, während die verbleibenden zwei Viertelfinal-Spots von den restlichen Erstliga-Teams ausgespielt werden. Ab dem Viertelfinale geht es im K.O.-Modus weiter.

Auch in der Türkei gibt es einen funktionierenden Modus: Eine Woche vor Saisonbeginn finden vier dreitägige Mini-Turniere mit jeweils vier Mannschaften statt. Die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe qualifizieren sich für das FinalEight, das parallel zu den spanischen und italienischen Pendants ausgetragen wird. Der Clou: Alle Erstligisten können partizipieren, niemand ist gesetzt, keine zusätzliche Belastung während der Saison.

Im Vergleich zu all diesen Modi wirkt der BBL-Pokal geradezu wie ein kastrierter Wettbewerb, der sich auf das allernötigste beschränkt. Durch die Angst, an einem neutralen Austragungsort keine Zuschauer zu ziehen, reduziert sich die Idee bei der BBL auf die besten sechs Teams plus den gesetzten Ausrichter. Und ein Viertagesevent wie ein FinalEight traut man sich wohl nicht zu.

Welche der Alternativen man immer auch bevorzugen möge, fest steht, dass es genug Möglichkeiten einer medial UND sportlich attraktiven Wettbewerbsgestaltung gäbe. Wir betonen abermals den abstrus lächerlich anmutenden Umstand, dass sich der Ausrichter durch zwei Siege „Deutscher Pokalsieger“ nennen kann. Vorausgesetzt natürlich, das passende Kleingeld war vorhanden. Dies ist ein unhaltbarer Zustand, den die Basketball-Bundesliga mit ihrem bald neuen Geschäftsführer schnellstmöglich beheben muss!

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