So ziemlich jeder Basketsfan kennt ihn, den Supporters Club Bonn, kurz „SCB“. Das ist dieses Grüppchen junger Leute, meist schwarz gekleidet, die das Anfeuern in der Halle koordinieren. Häufig wirkt diese Ansammlung von Heranwachsenden nach außen hin recht verschlossen. Und auch wenn dies glücklicherweise heutzutage nicht mehr zwangsläufig anstößig ist, so fragt man sich doch warum die Lettern des SCB unbedingt in altdeutscher Schrift verfasst sein müssen.

Natürlich war den Supporters auch bei jeder großen Choreographie der Applaus und die Anerkennung aller Anwesenden sicher, wo doch jeder sieht, wie viel Arbeit hinter so einem Projekt stehen muss. Aber: ein wenig suspekt ist einem dieses „verschworene“ Gemeinschaft schon. So in etwa denken viele Menschen die mehr oder weniger regelmäßig den Telekom Dome aufsuchen. So auch ich vor etwa fünf Jahren.

Die Baskets begleiten mich seit meiner Jugend. Als Schüler des Hardtberg-Gymnasiums erlebte ich die erste Bundesligasaison (und auch einige nachfolgende) von Anfang an mit Freikarten und unregelmäßigen Trainingseinheiten im Schulsport zusammen mit den Spielern, da die Hardtberghalle gelegentlich auch mal überbelegt war.

Derart gebrandmarkt begleitet einen dieser Verein natürlich auch weiter, wenn man nicht mehr bei jedem Spiel dabei ist. Vor sieben Jahren war es dann soweit, und das Fieber packte mich erneut. Nicht nur dass ich immer regelmäßiger wieder bei Spielen dabei war, auch der Wille aktiv die Mannschaft zu unterstützen wurde größer. Sitzplätze waren mir mehr und mehr zuwider, standen sie doch zwischen mir und meinen Emotionen. Nach Ablauf der Saison 10/11 war es dann klar: eine Dauerkarte musste her. Auch der Block war zu diesem Zeitpunkt schon lange auserkoren: Stehblock. Mitte. H.

An den SCB verschwendete ich freilich keinen  Gedanken. „Die da oben!“ halt – war ich doch immer in der zweiten oder dritten Reihe. Aber die Stimmung war gut. Nach den ersten Spielen – klar, die Siegesserie zum Beginn der Saison hat damals wohl die meisten euphorisiert – hatte ich ein wachsendes Verlangen, die Mannschaft auch bei Auswärtsspielen zum Sieg zu treiben. Mitte Oktober meldete ich mich also für meine erste Auswärtsfahrt an. Das Ziel war Würzburg, und die Erwartungen nach den fünf Siegen in Folge hoch, ging es doch gegen einen Aufsteiger.

Am Landesbehördenhaus angekommen stellte sich heraus, dass es zwei Busse gibt. In den ersten drängte sich die „schwarze Meute“, also schien es die beste Idee zu sein, den nicht ganz so frequentierten Bus zu wählen. Nach der Ankunft im Frankenland dämmerte mir allerdings, dass die Stimmung im anderen Bus irgendwie besser gewesen sein musste, stiegen doch die meisten noch singend und lachend aus…

Dass wir das Spiel verloren (und damit eine Serie von Niederlagen einleiteten) wissen sicher noch die meisten. Die Stimmung vor, während und nach dem Spiel blieb jedoch den Mitgereisten vorbehalten. Nicht nur dass die Freundschaft zwischen den Fans permanent zelebriert wurde, auch der Rückstand und schlussendlich die Niederlage konnte der Laune keinen Abbruch tun. Es wurde das Team gefeiert, das aufrichtig gekämpft hat, doch auch die Fans, die zu keiner Zeit aufhörten ihre Mannschaft nach vorne zu peitschen. DAS war ein Erlebnis…

Die nächste Auswärtsfahrt musste natürlich folgen! Da im Regelfall nur ein Bus fährt, war es mir bei den restlichen Fahrten im Jahr 2011 also vergönnt mit den SCB’lern zusammen zu reisen. Nicht nur dass man sich dadurch flüchtig kannte, auch einige Auswärtsmarotten dieser Meute waren schnell klar: Der SCB sitzt hinten, der SCB macht seine eigene Musik, und – ups – die sind echt in Ordnung! Gut gelaunt, begeistert von „unserem“ Verein, und erstaunlich normal.

Normal ist in dieser Hinsicht allerdings ein dehnbarer Begriff. Der durchschnittliche, wie es heutzutage so schön denglisch heißt „Eventzuschauer“ wird sich schwer tun, die trommelnde, singende und schreiende Meute als normal einzustufen.

Mehr und mehr sprach fortan für den SCB, merkte ich alsbald, dass „die“ doch genauso euphorisch, motiviert und emotional bei der Sache waren. Nach einigen Auswärtsfahrten, und nachdem aus flüchtigen Bekanntschaften mit der Zeit sehr gute Bekannte geworden waren, wurde ich „eingeladen“ doch die Spiele aus dem Zentrum des Blocks zu verfolgen. Mit einem Rest Skepsis verließ ich also meinen angestammten Platz und sortierte mich einige Reihen weiter höher zwischen den Schwarzgekleideten ein.

Sofort fühlte ich mich wohl, war hier doch jeder so bei der Sache wie ich. Jetzt war mir klar: hier bleibe ich! Das ist allerdings weder Grund noch Bedingung, dem SCB beizutreten. Falls sich jemand am Anfang dieses Beitrags die Mühe gemacht hat zu rechnen, wird er herausgefunden haben, dass ich mit über 30 nicht mehr der, wie man meinen möchte, offensichtlichen Zielgruppe entspreche. Und um den einen oder anderen an dieser Stelle zu erstaunen: es gibt noch ältere!

Wer sich also die Mühe macht, einmal hinter die Kulissen dieser Fangruppierung zu schauen, wird nicht nur feststellen, dass jeder der sich einsetzt willkommen ist, sondern auch wie viel Arbeit selbst hinter scheinbar kleinen und etablierten Aktionen steckt.

Um soviel Arbeit und Energie zu investieren ist zweifelsohne eine unbändige Hingabe und ein fester Wille von Nöten – das musste auch ich erfahren. Wer hier mitmacht, ist nicht nur bei den Spielen regelmäßig dabei, sondern investiert auch unzählige Stunden seiner Freizeit um Banner oder Fahnen zu malen, Spruchbänder zu kreieren und Choreographien vorzubereiten.

So bin ich im Supporters Club Bonn angekommen, und musste feststellen:

Außer, dass ihr Herz für einen Verein schlägt, sind „die“ alle ganz normal. Normal individuell, wie jeder andere auch!

-Nico

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